Andreas Pretzel
Eros und Widerstand.
Ein Netzwerk der bündischen Jugendbewegung im Exil
Übersicht des Beitrags
Das Thema "Homosexuelle im Widerstand" ist immer noch ein Desiderat der Forschung. Andreas Pretzel bringt
die Mitwirkung und Schicksale von Männern in Erinnerung, die aus der Jugendbewegung der Weimarer Republik kamen,
während der NS-Zeit ins Exil flüchteten und im Widerstandsnetzwerk der "Deutschen Jugendfront" aktiv wurden.
Anhand zahlreicher Quellen rekonstruiert der Autor das Exilnetzwerk, die vielfältigen Widerstandsaktivitäten
gegen das NS-Regime und verdeutlicht die Rolle, die homosexuelle Männer darin spielten. Er stellt ihre
Biographien, Exil- und Verfolgungswege in den Mittelpunkt und geht den Hinweisen auf homoerotisches Begehren
wie dem Wissen um homosexuelle Neigungen nach. Diese Männer blieben in der Geschichtsschreibung zur bündischen
Opposition und Emigration bisher weitgehend ausgeblendet, obgleich viele von ihnen auch Opfer der
nationalsozialistischen Homosexuellenverfolgung wurden.
Der abschließende Ausblick auf die Post-NS-Zeit zeigt einerseits, dass die nach Deutschland zurückgekehrten
bündischen Emigranten mit der Erinnerung an ihren NS-Widerstand allein und unter sich blieben. Andererseits
gab es bemerkenswerte Versuche, die Geschichte bündischen Widerstands und jugendbewegter Kameradschaft zu
bewahren, und sogar Wortmeldungen, um die Bestrebungen zur Abschaffung des NS-Sonderstrafrechts gegen
Homosexuelle in den 1960er Jahren zu unterstützen.
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